INT. DEUTSCHES TURNFEST BERLIN

21.05.2005, mit Fotogalerie

Beim "Weltturnfest" dabei gewesen

INT. DEUTSCHES TURNFEST BERLIN

INT. DEUTSCHES TURNFEST BERLIN

Über 800 Österreicher waren dabei

 
Vor knapp 200 Jahren errichtete Friedrich Ludwig Jahn 1811 den ersten deutschen Turnplatz in Berlin und begründete damit die Turnbewegung. Heute sind über fünf Millionen Menschen in den Turnvereinen Deutschlands organisiert. Zum Internationalen Deutschen Turnfest nach Berlin pilgerten über 100.000 Besucher, darunter mehr als 800 Österreicher.
 
Während der deutschbewegte Jahn nicht auf  Fremdenfreundlichkeit setzte „Hass alles Fremden ist des Deutschen Pflicht“, bemühte sich der Präsident des Deutschen Turnerbundes Rainer Brechtken um ein neues Bild der Deutschen Turnbewegung: „Die Betonung auf Internationales Turnfest ist gerade nach der Eröffnung des Holocaust-Mahnmals wichtig, wir wollen ein Zeichen setzen. Es ist unsere Aufgabe, zu beweisen, dass Turnen jung und modern, frisch, zeitgemäß und integrativ ist.
 
Eine unselige Rolle spielte die Turnerschaft während der Nazizeit, schreibt die Tageszeitung: Edmund Neuendorff warf sich (1933) unter dem  Slogan „Zurück zu Jahn, es gibt kein besseres Vorwärts“ an die Brust der Nationalsozialisten.
 
Jahn habe seine Verdienste, er habe „ein vielfältiges Angebot von Leibesübungen unterbreitet, das sich an alle richtet“, sagt Brechtken, aber vieles sei doch obsolet. „Heute geht es um Begegnung, Aussöhnung und Öffnung, nicht um Ausgrenzung anderer.“ Während des Turnfestes gab es eine Veranstaltung zu Ehren Jahns in der Hasenheide, aber auch ein Symposion, das sich kritisch mit der historischen Figur auseinander setzte. „Wir haben unsere Geschichte aufgearbeitet und sind immer noch dabei“, sagt Brechtken, es gibt da für uns keinen Schlussstrich.“
 
Frauen sind im Sport auf dem Vormarsch.
„Welchen Sport treiben wir morgen? fragt  Christian Wopp beim Wissenschaftsforum im Rahmen der Turnfestakademie (600 Workshops) und versucht auch gleich Antworten zu liefern. Die Deutschen – so der Professor für Sport und Gesellschaft der Universität Osnabrück – würden in Zukunft weniger, älter, internationaler, weiblicher und dicker. Selbst bei einer Zuwanderung von jährlich 200.000 Menschen würden in Deutschland im Jahre 2050 statt bisher 82,5 Millionen nur noch 75 Millionen Menschen leben. Ohne Zuwanderung käme Deutschland auf 53.7 Millionen.
 
Die Folge davon seien Mitgliederrückgänge in den Sportorganisationen und ein härterer Wettbewerb zwischen den Sportverbänden, weil sich alle um die gleiche Zielgruppe bemühen werden. Als Zukunftstrends nannte Wopp Sportaktivitäten in kleinen Gemeinschaften, eine Verkleinerung von Mannschaften – Fußball vielleicht  neun gegen neun -, eine Zunahme von Sportarten, die Frauen und Männer gemeinsam treiben können und einen Vormarsch der Frauen: „Schon bald werden mehr Frauen als Männer als aktive Sportler registriert werden.“ Beim Turnfest lag der Frauenanteil der Teilnehmer bei 65 %.
 
Jugendlichkeit ist angesagt.
„Es gibt nichts Schlimmeres als Seniorensport anzubieten! – Auch Ältere wollen heute keinen Seniorenteller mehr! – Kinder wollen früh als Jugendliche gelten und Ältere wollen möglichst lange ihre Jugendlichkeit erhalten!“ so Professor Wopp. - Vereine müssten sich vermehrt auf Bewegung für Oma und Opa  einstellen. Auch Bemühungen ausländische Mitglieder für den Sportverein zu gewinnen dürfen nicht erlahmen.
 
 
Berlin – ein großes Fitness-Studio.
Beim diesjährigen Turnfest ist aufgefallen, wie vielfältig die Turnlandschaft geworden ist. Vom klassischem Gerätturnen bis hin zum Gummistiefelweitwurf und Currywurstschleudern reichte das Angebot und selten gab es bei einem Turnfest so viele Jugendliche wie in Berlin.
Hervorragende Lehr- und Showveranstaltungen machten das Turnfest auch zu einer ganz großen Lern- und Motivationsveranstaltung. Natürlich durfte im Veranstaltungsreigen das „Große deutsche Prominenten-Turnen“ nicht fehlen. Wies war? Bei der Aufzeichnung im Berliner Velodrom jedenfalls war alles ganz so, wie man es sich vorgestellt hatte – oder vielleicht ein wenig schlimmer, schrieb die Tageszeitung. Wann immer es dem Publikum langweilig wurde, machte es kurzerhand ein wenig „La Ola, die Welle“, und wenn ihnen die Wertungen der „Jury“ zu albern wurden, wurde hemmungslos gebuht. Ob ein Felgaufschwung am Reck, ein Gleichgewichtsverlust auf dem Schwebebalken oder albernes Pogewackel auf dem Bildschirm beeindrucken konnten? fragt sich dich die Tageszeitung.
 
Erwartungen wurden übertroffen
Erfreulich das Abschneiden der St.Pöltner „Union-Turnriege“: Michael Fedorchuk holte sich in seiner Altersklasse (bis 17 J) die Goldmedaille und Schwester Anna war mit Platz 2 erfolgreich. Eine Reihe von Übungsleitern kommt vollbepackt mit neuen Ideen nach Österreich zurück und die vielen Kontakte die zu Internationalen Presentern geknüpft wurden sollen in den kommenden Jahren auch für Österreichs Turnvereine neue Impulse bringen.
Es darf vorgemerkt werden: Seminar mit Christiane Jaschiniok (Berlin) – WOHLFÜHLEN und BEWEGEN am 25. September 05 in der NÖ Landessportschule in St.Pölten. Die Presenter des Jahres 2004 Marc-Oliver und Petra Kluike konnten von Union Trendsport Weichberger für ein ÖFT-Seminar am 2. April 2006 verpflichtet werden.
Das nächste Deutsche Turnfest steigt 2009 in Frankfurt am Main . Vorher darf man sich auf die Weltgymnaestrada in Dornbirn (2007) freuen.
 
 

Fett, faul, fernsehsüchtig

Wie fit sind Europas Kinder wirklich?

 
Europas Kinder und Jugendliche werden immer dicker. „Wir haben es mit einer Zeitbombe zu tun, die möglichst schnell entschärft werden muss!“ so der Paderborner Sportwissenschaftler Prof. Dr. Wolf-Dieter Brettschneider in einem Vortrag der Turnfestakademie in Berlin.
 
„Wir unterhalten uns dabei über ein Problem, dessen Tragweite von vielen noch nicht erkannt worden ist!“ sagte Brettschneider, der beim Turnfest eine aktuelle,  vergleichende Studie aller EU-Länder unter den provozierenden Titel „Fett, faul, fernsehsüchtig“ präsentierte.
 
In England sind 15 bis 18 Prozent der Kinder übergewichtig und 5 Prozent fettleibig. Deutschland und Österreich liegen im Mittelfeld der Skala.
 
Für den Wissenschaftler ist es höchste Zeit dagegen anzukämpfen und das aus mehreren Gründen. Zum einen kommt es in der Folge immer mehr zu Stoffwechselerkrankungen, und zum anderen würden aus „fetten Kindern auch immer wahrscheinlicher fette Erwachsene“ „Die Quote liegt bei 80 Prozent“ so Brettschneider.
 
Der Sport könne die Zeiten der Inaktivität, die durch die Medien wie Fernsehen, Video und Computer stark zunehmen, nicht kompensiert. „Eine Zeitbombe tickt, die möglichst schnell entschärft werden muss!“ sagte Brettschneider.
 
Es darf nicht sein, dass Rumhängen cool ist, sondern es muss cool sein, aktiv zu sein. Dies zu erreichen ist Aufgabe vernetzter Strategien, an denen sich alle Personen und Organisationen beteiligen, die Verantwortung für die Entwicklung unserer Kinder tragen.
 
Eltern, Vereine Schule und Politiker sind gefordert der täglichen Bewegungszeit für Kinder und Jugendliche mehr Aufmerksamkeit zu widmen!