SEINERZEIT: UNION NÖ Landestag 1970 Landhaus

25.12.2018

Rückblick auf eine Rede 1970 - ähnlich könnte sie durchaus auch heute aussehen...

SEINERZEIT: UNION NÖ Landestag 1970 Landhaus

Im Zuge der Aufarbeitung der Vereinsgeschichte der UNION-St.Pölten, wurde eine Rede aus dem Jahre 1970 entdeckt, die vom damaligen Landesjugendwart der Sportunion NÖ gehalten wurde. Ingolf Wöll wagte anlässlich der Feierlichkeiten "25 Jahre Sportunion NÖ", im vollbesetzten Landhaus-Saal, einen Blick in die Zukunft. Über die vor rund 50 Jahren getätigten Aussagen könnte auch heute nachgedacht werden...

(I. W.) 25 Jahre Turn- und Sportunion Niederösterreich, heißt vor allem 25 Jahre Sport-Arbeit im Dienst der Jugend. Unser derzeitiger Mitgliederstand führt dies vor Augen. Von den rund 50.000 Mitgliedern unseres Verbandes sind etwa 30.000 Jugendliche unter 18 Jahren. Ich bin sicher, dass wir so manchem Jugendverband den Rang abgelaufen haben und dennoch dürfen wir uns nicht zufrieden geben, trotz der vielen Erfolge.

Die Zeit bleibt nicht stehen und es ist lohnender in die Zukunft zu blicken, als in der Vergangenheit herumzukramen. Das heißt jedoch nicht, dass wir die Vergangenheit wie einen abgetragenen Rock beiseitelegen sollen. Wir sollten jene Dinge in die Zukunft mitnehmen die in die Zeit passen! Es ist notwendig, dass wir uns Gedanken machen, wie wir mit zeitgemäßen Angeboten die Jugend begeistern können. -  Blicken wir in unsere Turnvereine hinein. Der Verein üblichen Schemas ist gekennzeichnet durch eine sehr große Kinderabteilung, eine verhältnismäßig große Abteilung für die über 30jährigen und durch gar keine Abteilung für 15 – 18jährige. Er gleicht einer Eieruhr mit dicken Füßen, dickem Kopf und keinem Bauch.

Eieruhr mit dicken Füßen - dickem Kopf - und keinem Bauch

Was könnte man dagegen tun? - Ich habe beim letzten Verbandstag eine Untersuchung vorgelegt, die die Beweggründe für einen Vereinseintritt beleuchten. Diesmal habe ich mit jungen Menschen Kontakt gesucht, die der UNION ade sagten.

Ich glaube, dass wir stark genug sind, auch bei einer Jubiläumsveranstaltung Kritik zu ertragen und diese Kritik sollte uns zu denken geben: An erster Stelle der Antworten steht die freimütige Auskunft: Zu wenig Betreuung und Anleitung, weil zu wenig Übungsleiter, nicht befriedigende Betreuung, weil zu einseitiges Programm und weiteres zu wenig Geselligkeit.

...die „Ehrenamtlichen“ bis an die unzumutbare Leistungsgrenze belastet.

Nun meine Damen und Herren, um hier Abhilfe zu schaffen, müsste in erster Linie eine Personalfrage gelöst werden. Man sucht nach Kräften, die helfend und führend tätig sein sollen und stellt fest, dass die „Ehrenamtlichen“ bis an die unzumutbare Leistungsgrenze belastet sind.

Zu allen Zeiten ist es in der Turn- und Sportbewegung so gewesen, dass  es an ehrenamtlichen Kräften mangelte. Das ist keine Erfindung unserer Tage. Wer aufmerksam die Chroniken durchsieht, stößt immer wieder auf den Mangel an ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Ich bin überzeugt, dass nur dann Abhilfe geschaffen werden kann, wenn Verein, Fach- und Dachverband, aber auch Land und Staat auf das Engste zusammenarbeiten.  Wir brauchen mehr hauptamtliche Mitarbeiter. Wir brauchen Turn- und Sportlehrer in den Vereinen, die den ehrenamtlichen Kräften hilfreich zur Seite stehen. Ich darf von hier aus alle Landesamtswalter bitten, sich in den kommenden Monaten ganz besonders mit diesem Problem zu beschäftigen. Nur eine positive Lösung wird die UNION das Jahr 2000 als erfolgreicher Verband erleben lassen.

Will den Jedermann nur ein Jedermann sein?

Und noch eines: sehen wir nicht nur die Spitzenleistung! Ich bin für den Rekord, aber wir müssen auch Zeit haben für den „Herrn Jedermann“. Zunächst einmal müssen sich die Vereine wirklich jedermann öffnen! Eigens eingerichtete Fit-Abteilungen – „Jedermann- und Jedefrau-Abteilungen“ sind eine Möglichkeit. Aber will denn Jedermann nur ein Jedermann sein? -  Öffnen heißt auch, dass die schon bestehenden Abteilungen jeden Neuen ohne Einschränkung aufnehmen. Volkstümlichkeit in der Praxis des Vereinslebens bedeutet noch ein Zweites: Ein ausreichendes Angebot geselliger Veranstaltungen. Der Turn- und Sportverein darf sich nicht nur beschränken auf seine Leibesübungen, sondern sollte vielfach Gelegenheit zur Gemeinsamkeit, zu gemeinsamen Aufgaben und geselligem Zusammensein geben. Diese Aufgabe erhält gerade in der Jugendarbeit eine ganz besondere Bedeutung. Der Jugendliche in seiner fragenden Unsicherheit, der Welt und dem Leben gegenüber, braucht den Mitmenschen, braucht die Antwort auf seine ungelösten Probleme.

Beschäftigen lassen und nur ein "Jedermann" sein, das will er auf keinen Fall. So muss gerade ihm besondere Aufmerksam zugewandt werde. Ihn nur ausbilden in seiner leiblichen Tüchtigkeit durch Turnen und Sport wäre zu wenig und ginge an dem Sinn der Sache vorbei. So sollte die UNION ihm Gelegenheit geben, im Rahmen einer kleinen überschaubaren Gemeinschaft junger Menschen, Sinn zu finden. - Hier übernimmt der Turn- und Sportverein eine pädagogische Aufgabe, die wegen ihrer Andersartigkeit und ihrer lebensnahen Bezüge weit über die Möglichkeiten schulischer Erziehung hinausgeht.

Stellt ihnen aber immer wieder die Frage, ob das was sie tun, auch wert ist gepflegt zu werden!

Wie nun hätte unsere Jugendarbeit auszusehen? - Mit der Nennung des „Was“ ist  wenig ausgesagt, das „Wie“ entscheidet genauso wie bei der Betriebsweise der Leibesübungen. Es wäre falsch, wollte man eine nicht mehr zeitgemäße Wandervogelromantik in unsere technische Welt mit Gewalt hineinpressen. Es ist falsch, sieht man die Aufgabe einer Jugendgruppe einseitig in der Erhaltung alter Volkslieder und Volkstänze. - Lasst die Jugend auch singen und tanzen, was heute gesungen und getanzt wird. Und wenn Geige und Flöte der jugendlichen Musikauffassung nicht mehr entsprechen, dann gebt ihnen Schlagzeug und Trompete! Stellt ihnen aber immer wieder die Frage, ob das was sie tun, auch wert ist gepflegt zu werden!

Es ist die gleiche Frage, die sich Erwachsene auch immer wieder stellen müssen!

Aktiv-Partner fördern den Snowboardsport in Niederösterreich

http://www.sportunion.at//club/3535/img/2012/WerbebannerSportunionkl.jpg
   

Sei dabei und werde  Aktiv-Partner von UNION Trendsport Weichberger mit einem Link auf eine gewünschte Seite > Tel. 0676 / 92 16 280 ingolf.woell@aon.at  

STARTSEITE