EinBlick in das Vorwort "Turnen in Österreich"

07.01.2018

EinBlick in das Vorwort "Turnen in Österreich"

Das neue Buch von Ingolf Wöll "Turnen in Österreich - Von den Anfängen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts" geht in den nächsten Tagen in die Druckerei und wird in den kommenden Wochen - allen die ihre Bestellung rechtzeitig abgegeben haben - zugestellt. Das nachstehende Vorwort gibt einen EinBlick in das Buch.

Vorwort

Auf der Hasenheide bei Berlin fand die Turnbewegung vor mehr als 200 Jahren ihren Anfang. Es ist über 150 Jahre her, als in Österreich der erste „offizielle“ Turnverein in Wien gegründet wurde. -  In Österreich wurde das vereinsmäßige Turnen nie als Leibesübung allein angesehen, sondern stets in Verbindung mit einer geistigen Führung und Erziehung des Menschen gebracht. So kann das Turnen auf eine weitgehende politisch und kulturell wechselvolle Geschichte zurückblicken. Die ideologisch unterschiedlich eingestellten Turn-Vereine und Verbände wollten über lange Wegstrecken nichts miteinander zu tun haben und standen sich feindschaftlich gegenüber. Dies ist mit ein Grund, dass es im 21. Jahrhundert, in Österreich, zum Unterschied von anderen Ländern, drei sogenannte „Dachverbände“ gibt. ASKÖ, ASVÖ und die SPORTUNION (vormals Österreichische Turn- und Sportunion) waren jedoch nach ihrer Gründung in der Zweiten Republik, auf Leistungsebene bereit, gemeinsam Wettkämpfe und Meisterschaften im „Österreichischen Fachverband für Turnen“ und anderen Fachverbänden auszutragen. Mehr noch! Seit 1. Jänner 2014 sind die drei Breitensport- verbände gewillt, in der gemeinnützigen „Fit Sport Austria GmbH.“ partnerschaftlich zusammenzuarbeiten, um gemeinsam im Bereich Gesundheits- und Breitensport für Österreich wertvolle Impulse zu setzen.

   Beim Blick auf die Zeit gegen Ende des 19. und den Beginn des 20. Jahrhunderts erfährt man Näheres über die Rivalität zwischen Turnen und Sport sowie über das Auseinanderwachsen des Turngeschehens und die dafür verantwortlichen Impulsgeber. Die vorliegende Niederschrift über das Österreichische Turnwesen ist ein Versuch, die Zeitgeschichte überschaubar, verständlich und kurzweilig zu erzählen und durch bildhafte Darstellung zu ergänzen.

Die Motivation für die Gestaltung und Präsentation der nachstehenden Aufzeichnungen liegt darin, dass meine Familie väterlicherseits stark in die Turnbewegung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingebunden war und ich selbst, von Kindheit an, ab den späten 1940er-Jahren im Turn- und Sportgeschehen auf verschiedenen Ebenen tätig war. Beim Erstellen der „Familiengeschichte Wöll“, beim Durchstöbern von Aufzeichnungen meiner Eltern, bin ich zwangsläufig auf die verschiedenen Facetten des Turngeschehens in Österreich aufmerksam geworden. Vor allem die Geschichte des 1861 gegründeten „Ersten Wiener Turnvereins“ erweckte bei mir ein besonderes Interesse, da mein Vater (1896-1969) und seine beiden Brüder, Sepp (1889-1979) und Edi Wöll (1899-1993), in diesem über Jahre führend tätig waren.
 

Die auf Quellen- und Sekundärliteratur gestützte Publikation ist vor- wiegend aus der Durchsicht vieler Turn-Zeitschriften der unter-schiedlichen Verbände, Tages-, Wochenzeitungen und  Jubiläums-schriften sowie mit dem Thema verwandter Bücher der Turn- und Sportliteratur entstanden. Meine Arbeit fand dabei maßgebliche Unterstützung durch viele Gespräche, vor allem mit meinem Freund Univ. Prof. Dr. Hannes Strohmeyer, der mir schon in frühen Jugendtagen als Vorturner in der UNION-St. Pölten behilflich war, die ersten Turnübungen zu erlernen. Mit ihm, dem langjährigen Leiter der Abteilung „Sportgeschichte“ am Institut für Sportwissenschaften der Universität Wien, diskutiere ich seit vielen Jahren über die Turn-Historie des 19. und 20. Jahrhunderts und konnte so mein Blickfeld wesentlich erweitern, wofür ich mich herzlich bedanke. Genau so bedanke ich mich bei Dr. Gerhard Trenkler für das Lektorat und die kritische Hinterfragung meiner Aufzeichnungen. Sowie bei Mag. Elke Nebenführ, Gernot Abfalter, Alois Wögenstein und Gert Winkler, die mir zeitgeschichtliche Materialien zur Verfügung stellten.

   Mein Dank gilt auch den Mitarbeitern von Bibliotheken und Archiven in mehreren Bundesländern, vor allem aber dem Österreichischen Turnerbund, der Universität Wien/Schmelz und der Landesbibliothek Niederösterreich für die Bereitstellung von Schriften und Dokumenten.

   Ich widme dieses Buch meiner Frau Irmgard, die viel Verständnis für mein Tun über mehr als fünf Jahrzehnte aufgebracht hat, und meinen beiden Söhnen Erik und Helge.

   Die Aufzeichnungen entstanden in den Jahren 2015/17 unter dem festen Vorsatz, die Geschichte nicht zu beugen oder zu verfälschen. Das Bemühen war darauf ausgerichtet, historische Ereignisse nicht mit dem Wissen und den Wertmaßstäben von heute zu messen.

   Dem Leser wünsche ich Gefallen an dieser Zusammenführung über die vielschichtige Österreichische Turnbewegung.

Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die männliche Form gewählt wurde.

Ingolf Wöll

St. Pölten, November 2017 

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