Die SPORTUNION Österreich und die WERTE

22.09.2017

Die SPORTUNION Österreich und die WERTE

(I.W.) Lautes Nachdenken über die Notwendigkeit von Werten in einem Sportverband wird von der SPORTUNION Österreich im Verbandsmagazin Sporttimes (2017, F. 3) verordnet. Zuletzt gab es ein solches 1986 schreibt Sporttimes. Stimmt nicht ganz: 2002 wurde beim Bundestag in Niederöblarn heftig über die Werte des Verbandes diskutiert. Schließlich einigte man sich auf eine Umgstaltung des § 2.

Bei dieser Gelegenheit weisen wir auf ein Gespräch hin, das zwischen Ingolf Wöll (St. Pölten) und der Sportunion-Legende Prof. MMag. Dr. Gerhard Schmidt (Wien) 2013 zum Thema Wertewandel geführt wurde. (Siehe "WIR BEWGEN MENSCHEN" - S. 114)


Viele reden von in Verlust geratenen Werten. Welche Werte sollen wieder auferstehen?

Schmidt: „Es sind die Werte, die wir wieder bzw. immer noch brauchen, für unser Selbstverständnis und um uns selbst wieder zu finden. Es ist notwendig gegen eine Nivellierung und eine Wertevorgabe ohne fundierte Begründung anzutreten. Aber auch gegen jene Stellung zu nehmen, die an der Macht sind und ihre bevorzugte Stellung in der Hierarchie für sich ausnützen. Das gilt für alle Bereiche in der Gesellschaft und letzten Endes auch für die Sportbewegung.“
Heißt das, auf  Sport und Turnen bezogen, zurück zu Jahn? - Gibt es kein besseres Vorwärts?
                                                                
Schmidt: „
Na ja, so krass würde ich das nicht formulieren, aber es stimmt schon,Edmund Neuendorff, von der Deutschen Turnerschaft, hat vor rund 80 Jahren g`sagt: `zurück zu Jahn, es gibt kein besseres Vorwärts´. Er hat dabei einen Ausspruch des Pädagogen Adolf Diesterweg, einem Zeitgenosse Jahns, zitiert. Dieser sagte sinngemäß, `wenn das Vaterland in Not ist, wird man auf Jahn und seine erhabenen Ideen zurückgreifen.´ Wir finden heute in Europa eine ähnliche Situation vor wie  200 Jahren. Es finden gravierende Veränderungen statt, deren Folgen wir heute noch gar nicht abschätzen können.“                                                                                            
Findest du dass Österreich, unser Vaterland, in Not ist?
                           
Schmidt:
Genau genommen ist Vaterland heute zu einem Unwort geworden. Wenn du es verwendest, kann es dir passieren, dass du ins rechte Eck gedrängt wirst. Für mich gibt es bei der Wortwahl kein Tabu. Begriffe wie Heimat, Brauchtum, Volk, Vaterland, Tradition, Familie und Religion wurden entwertet und wenn das alles nicht mehr zählt, merkt man auf einmal, dass etwas fehlt.“

Wie ist es soweit gekommen? Höchste Zeit zum Nachdenken?                                      

Schmidt: „
Nachdenken alleine wird nicht reichen! Die Zeit zum Handeln muss reif werden. Vieles was wir tun geschieht nicht aus Überzeugung, sondern aus Gewohnheit, Bequemlichkeit und Fahrlässigkeit. Ich habe genau zu diesem Fragekomplex, zum Thema Wertewandel, 2011, ein kritisches Gedicht geschrieben, das alles ausdrückt worunter wir heute, meiner Meinung, nach leiden.“

Wertewandel - Vom Wert zum Unwert


Ein W e r t ist keine S e n s a t ion,
doch Sensationen sind v i e l  w ert! 
Die Medien nützen das geschickt, 
weil man dafür viel „Kohle“ kriegt.
Wer nur noch auf die Q u o t e schielt
hat längst die Q u a l i t ä t verspielt!
Man schafft es W e r t e zu verdrehen,   
das ist der Fluch der M e d i e n!
Tagtäglich machen sie ganz munter
die Werte immer mehr herunter.

Früher gab es F r e i h e i t, E h r e, W ü r d e,
für viele ist das heut nur B ü r d e!
Selbst G o t t, das V o l k, das V a t e r l a n d,
sind aus dem Sprachgebrauch verbannt.
Vielleicht ist K l u g h e i t noch ein W e r t,   
es sei denn, die G e n e t i k stört!!
Auch T a p f e r k e i t ist gar nicht „in“
lauf weg, denn das allein macht S i n n!
Z i v i l c o u r a g e wäre gescheiter,
doch kommt man mit der auch nicht weiter!
 
Mit dem „e n t w e r t e n“ fing es an,
nicht sichtbar schon für jedermann.
Wir brauchen keine T r a d i t i o n!
Wen interessiert das A l t e schon?
Was ist schon H e i m a t, B r a u c h t u m, T r a c ht?
Ein Freigeist nur darüber lacht!
Doch wenn das alles nicht mehr zählt,
merkt man allmählich, dass was fehlt.

Der G l a u b e geht, die H o f f n u n g mit,
die L i e b e bleibt, manchmal zu dritt!
Die „f r e i e  L i e b e“ wird verkündet,
die N ä c h s t e n l i e b e, die verschwindet.
So wandeln viele Werte sich,
was übrig bleibt ist fürchterlich!
Was ist für A l l e gleich viel w e r t?
Der L e i b solange er nicht stört!
Denn funktioniert er, das ist klar,
nimmt man ihn eigentlich kaum wahr.
Doch melden sich die ersten Schmerzen,
ist einem gar nicht mehr zum Scherzen!
G e s u n d h e i t wird sehr hoch geachtet,
sie wird als echter W e r t betrachtet
Man gibt ihr immer mehr Gewicht,
Gesundheit ist des Bürgers Pflicht.
Als Pflegefall kannst du vergessen,
dass einmal du viel Geld besessen!

G e r e c h t i g k e i t ist am verblassen,
wenn sich auch Richter kaufen lassen!
So bleibt das G e l d als höchster W e r t,
was uns die Bibel schon erklärt.
Ums „G o l d n e Kalb“ tanz jedermann,
solange er noch tanzen kann!!
Das K a p i t a l  ist wie ein Hai,
gibt niemals seine Opfer frei!
Das rechte M a ß es wäre Pflicht,
doch G e l d und M a ß verträgt sich nicht!!

So wandelt sich halt Wert um Wert,
weil keiner sich um Werte schert.
Man muss sich um die Werte kümmern,
sonst hilft man mit, sie zu zertrümmern.

Ein W e r t, das gilt für jedermann,
er gibt dir eine R i c h t u n g an. 
Er nimmt dich einfach in die Pflicht
ob du ihn einhältst oder nicht.
Er hilft dir auch wenn dich dein Geist 
in eine andere Richtung weist.
Und suchst du einen H a l t im L e b e n
Ein „e c h t e r  W e r t“ kann ihn dir geben!

Gerhard Schmidt, Juli 2011
 
Du hältst mit deinem Gedicht der Gesellschaft einen Spiegel vor`s Gesicht und zählst Werte auf, die Jahrhunderte Gültigkeit hatten, aber Werte sind nichts ewiges.
                                                     
Schmidt:
„Du hast schon recht. Alles im Leben ist einem Wandel unterworfen. Das heißt aber, dass man sehr wohl prüfen muss, was erhaltenswert ist und was nicht. Man muss nicht immer jedem neuen, selbsternannten Propheten nachlaufen sondern ihm genau auf`s Maul schauen.“
Die Mehrheit der Menschen strebt heute nach Wohlstand, Erfolg, Bildung, Freiheit und Gesundheit. Ist das so schlimm?
          
Schmidt:
„Es ist nicht verwerflich und auch nicht schlimm, solange die Verwirklichung dieser Werte nicht auf Kosten anderer erfolgt denen dadurch genau diese Werte vorenthalten werden.“
Wenn du die Vergangenheit Revue passieren lässt – welche Werte haben sich gravierend verändert?
                                                
Schmidt:
„Aus meiner Sicht in erster Linie die Nächstenliebe. Sie gilt höchstens noch dem Allernächsten und schon nicht mehr dem Übernächsten. Wir haben verlernt Liebe zu schenken. Wenn von den Medien eine `Fernstenliebe´ propagiert wird, so halten sich viele nur daran um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen.“
Werte wurden u. a. von Religionen und Ideologien vorgegeben, sehr oft um eine Gemeinschaft zusammenzuhalten, um sie besser bzw. leichter führen zu können, aber auch um sie zu disziplinieren und zu dominieren. Werte werden oft als falsch erkannt und trotzdem wird an ihnen festgehalten.
                                           
Schmidt:
„Mit Thesen, vor allem in Religionsgemeinschaften, wenn sie als nicht richtig erkannt werden, oft erst nach Jahrhunderten,   muss pietätvoll umgegangene werden. An ihnen darf nicht gerüttelt werden. Ich denke da z. B. an die Unantastbarkeit der Dogmen. Ich frage mich, ob es aus diesem Grunde sinnvoll ist, den Wert einer Religion an sich herunter zu spielen, was ja von vielen Menschen getan wird. Die enge Verbundenheit mit einer Religion, sowie der Glaube an eine höhere Kraft gibt vielen Menschen Halt. Erst vor kurzem konnte man über den Fußballer David Alaba lesen, wie er aus seinem tiefen Glauben Kraft schöpft. Der Chamions-League-Sieger legte nach dem Spiel, mit den Worten `Meine Kraft liegt in Jesus´, ein eindeutiges Bekenntnis ab. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass ich der Meinung bin, dass Religionen und deren Obrigkeiten nicht nachdenken sollen was aus menschlichen Erwägungen heraus verändert werden müsste.
Haben die Wertehüter Fehler gemacht?
                                     
Schmidt:
„Menschen machen Fehler, auch Menschen in Leitungsgremien und brauchen oft lange notwendige Veränderungen herbeizuführen. Der große italienische Dichter Dante (1265-1321) hat einmal gesagt: `Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an und handelt´. Dieser Ausspruch ist zeitlos gültig!“
Braucht die UNION noch Kulturwarte, sogenannte Wertehüter?
 
Schmidt:
„Ich meine, dass es wirksamer ist wenn die Übungsleiter und Funktionäre durch ihr ganz persönliches Beispiel und durch Beratungen wirken. Das hat übrigens schon der Bundesobmann der UNION, Dr. Pultar, in den 50er-Jahren gesagt. Die Kulturwarte sollten blos das notwendige „Know-how“, wie es jetzt neudeutsch heißt, bereitstellen.
Danke für das Gespräch