Feuerstunde 1964

18.06.2017

UNION Bundesjugendlager Faaker-See

Feuerstunde 1964

Rede von Karl Krappel, Wien

Krappel (1926-1980)  war nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1957  Bundesjugendwart in der Österreichischen Turn- und Sportunion (heute SPORTUNION Österreich) und bis in die frühen 1970er-Jahre als Kurslehrer tätig.

Aus allen Gegenden unseres schönen Heimatlandes sind wir hier am Faaker-See zusammengekommen, um eine Woche bei Spiel und Sport in froher Gemeinschaft zu verbringen. Und nun, nach des Tages harter Arbeit stehen wir hier um das Feuer geschart, um in einer Feuerstunde den tiefen Sinn unseres Tuns und unseres Handelns zu beleuchten.

Vor uns lodert die Flamme, hell glühend und ungezwungen schlägt sie gegen den Himmel als Symbol der Freiheit und des Lichtes.

Freiheit, ein Wort nach dessen wahrer Bedeutung sich Millionen von Menschen sehnen. Den wahren Wert der Freiheit kann wahrlich nur der ermessen, der diesen kostbaren Schatz einmal verloren hat. Seine Freiheit verlieren heißt ehr- und rechtlos den Willen anderer preisgegeben zu sein. Uns alle ist nach bitteren Jahren der Knechtung das große Glück erwachsen, wieder in einem freien Vaterland leben zu können. Wie oft wird aber das Wort Freiheit missverstanden. Wahre Freiheit äußert sich nicht darin, dass jeder tun und lassen kann was ihm beliebt, ohne Rücksicht auf das Wohl der Mitmenschen; sondern die Freiheit gibt jedem das Recht, sich eine Gemeinschaft auszusuchen, die seinen Idealen entspricht.

Freiwillig haben wir uns die Union-Gemeinschaft gewählt und stehen hier als junge Träger dieser Idee. Freiwillig sind wir gekommen, du ich, wir alle hier. Diese Freiwilligkeit verpflichtet aber, verpflichtet zur selbstlosen Ein- und Unterordnung in das Wohl der Gemeinschaft. Du bist ein Glied der Union-Gemeinschaft und daher hast du auch Pflichten dieser Gemeinschaft gegenüber. Es ist nichts Ungewöhnliches was man von dir verlangt. Vor allem sollst du in tadelloser Haltung, immer und überall, dieser Gemeinschaft Ehre einbringen. In der Union wird dein Wert nicht allein nach deinem sportlichen Können gemessen, sondern saubere Haltung, Kameradschaft und echter Sportgeist stempeln dich erst zu einem richtigen Union-Sportler. Eine sportliche Höchstleistung besagt nichts, wenn sie nicht von einem Menschen vollbracht wird, der auch im täglichen Leben, im Beruf und im Umgang mit den Mitmenschen eine faire und anständige Haltung zeigt. Wir wollen weder strotzende Muskelpakete, noch simulierende Stubenhocker, die Union will tüchtige, gesunde und lebensfrohe Menschen schaffen, wo Körper, Geist und Charakter gleichermaßen gut ausgebildet sind. Tüchtige Kerle, saubere Burschen brauchen wir und die Tage unseres Beisammenseins haben mir die Gewissheit ergeben, dass jeder einzelne von euch bestrebt ist, dieser Forderung gerecht zu werden.

Der Weg, den wir gehen ist nicht immer leicht, lerne schon als junger Mensch Opfer bringen, und um Erfolge zu kämpfen. Die Kraft dazu wird dir die Gemeinschaft geben.

Betrachtet die lodernde Flamme vor uns. Sie ist ein treffendes Symbol der Stärke einer Gemeinschaft, denn dieses Feuer besteht aus unzähligen kleinen Flämmchen. Und nun bedenke, was mag ein Flämmchen allein? Ein Flämmchen wäre nicht in der Lage die dunkle Nacht zu erleuchten, ein Flämmchen wäre nicht imstande, die kalte Stube zu erwärmen. Erst der Zusammenschluss vieler kleiner Flammen ergibt diesen mächtigen lodernden Brand. Und so auch bei uns. Was wäre ich allein im imstande? Was könntest du allein mit deiner Kraft ausrichten? Nichts. Wir würden untergehen im Trubel der Zeit. Erst der Zusammenschluss unserer Kräfte zu einer Gemeinschaft, das gemeinsame Wollen und Handeln macht uns stark und befähigt uns große Ziele zu erreichen.

Ein Ziegelstein ist wertlos und wird mit dem Fuß achtlos beiseitegeschoben. Viele Ziegelsteine aber ergeben einen festen Bau, der auch dem stärksten Ansturm trotzt. Sei auch du solch ein Ziegelstein im Bau der Union und bemühe dich ein wertvolles Mitglied unserer Gemeinschaft zu sein. In unserer Gemeinschaft hat jeder Platz. Wir fragen nicht was bist du, woher kommst du, wie reich sind deine Eltern? Nein, bei uns sind nicht Rang und Stand ausschlaggebend, sondern die Tat. Du Bursch vom Schraubstock, du vom Büro und du von der Schulbank, du vom Dorf und von der Stadt, wenn du gewillt bist mit uns für unsere Heimat und unsere Gemeinschaft zu arbeiten, dann tritt zu uns und sei herzlich willkommen. Betrachtet doch einmal unseren Kreis. Seite an Seite stehen wir hier, vor Tagen einander noch vollkommen fremd, heute aber schon durch ein unsichtbares Band verbunden. Rechts und links von uns stehen Kameraden, deren Namen wir kaum kennen, die aber das gleiche Abzeichen tragen und von denen wir wissen, dass sie den gleichen Geist und die gleichen Ideale im Herzen haben, dann spürst auch du, das erhabene Gefühl einer Gemeinschaft. Ich bin nicht allein, mit mir verfolgen unzählige junge Menschen den gleichen Weg und das gleiche Ziel.

Flamme du Symbol des Lichtes, du Symbol des Guten. Immer wieder begegnen wir dem Kampf des Lichtes gegen die Dunkelheit, den Kampf des Guten gegen das Böse und hat es auch mitunter den Anschein als ob die Dunkelheit, das Schlechte, die Oberhand behalten würden, es ist nicht so, denn immer wieder wird das Licht, das Gute emporsteigen und triumphieren. Sei auch du ein Lichtträger ein Kämpfer für das Gute. Aber das Böse ist stark, es wird nicht von Feiglingen bezwungen. Diesen Kampf werden nur Charakterfeste und energiegeladene Kerle bestehen, die fest zu ihrer Idee stehen.

Dem Gebot der Treue kommt gerade in unserer heutigen Zeit eine besondere Bedeutung zu. Es ist leicht von Treue zu sprechen und sie auch zu halten, wenn der Weg einer Gemeinschaft auf sonniger, ebener Strecke verläuft. Bei der ersten Steigung aber oder in beschwerlichen Situationen werden die Feiglinge und mutlosen abfallen und sich verdrücken. Tapfere und Treue werden aber auch auf dornigen Pfad zusammenhalten und gemeinsam versuchen das Dickicht zu durchbrechen. Da zeigt es sich dann auf wen man sich verlassen kann. Wir sind nicht neugierig auf die, die nur die Freude mit uns erleben wollen, das Leid aber andere tragen lassen. Wer nur im Sonnenschein bei uns stehen will, ist wertlos. Die Union braucht Burschen, die  auch einem tüchtigen Sturm trotzen können, nicht gleich schwach werden und unverrückbar dem Ziel entgegen streben.

Wir in der Union haben ein hohes Ziel. Wir wollen als echte Sportler unseren Mann stellen und darüber hinaus als gute und anständige  Menschen das Leben meistern. Arbeitet an euch um dieses Ziel zu erreichen. Nehmt eine kleines Flämmchen dieses Feuer in euer Herz auf, geht hinaus in die Vereine als Fackelträger unserer Idee und helft mit am stolzen Werk der Union zu bauen. Beweist durch euer Auftreten, dass ihr würdig seid Union-Sportler zu werden. (Sammlung Ingolf Wöll).