Christlich-deutsche Turnerschaft Österreich (CDTÖ)

18.05.2017

Ein Beitrag zur Turngeschichte

Christlich-deutsche Turnerschaft Österreich (CDTÖ)
Die Turnfachleute der CDTÖ zeigten Weitblick und brachten frühzeitig Verständnis für das Frauen- und Mädche...

(Ingolf Wöll) Gegen Ende des 19. sowie am Beginn des 20. Jahrhunderts gab es im Habsburgreich auf politischer Ebene Nationalitätenrivalität zwischen den Deutschen Österreichs (1910: 12 Millionen) und den zahlenmäßig überlegenen Nichtdeutschen (39 Millionen), die auf eine Eigenstaatlichkeit hindrängten. Diese Auseinandersetzung nach politischer Freiheit war begleitet vom Streben nach „Geistesfreiheit“, die auch zu Differenzen mit dem Christentum führen musste. (Jahn R. Hg. Domesle, 298)

"Mit Gott für Volk und Vaterland" Leitgedanke des Christlich-deutschenTurnerschaft.

Teilansicht einer Ehrenurkunde der CDTÖ aus dem Jahr 1914. Turnvater Jahn, die vier Anfangsbuchstaben des Turnerwahlspruchs „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“, die Farben „Schwarz-Rot-Gold“, die Fahne und die deutsche Eiche, als Symbol der Treue, durften im Bild nicht fehlen.

 

Auch im Abzeichen der CDTÖ sind die Anfangsbuchstaben des Turnerwahlspruchs, dessen Gestaltung auf das Jahr 1846 zurückgeht, erkennbar. Der Schöpfer des Abzeichens, Heinrich Felsing (1800-1875), bei der Präsentation: „[ ] Vergesst nur nicht, dass es auch das Christuszeichen ist.“

Das Abzeichen wurde wegen seiner Ähnlichkeit zum christlichen Kreuz teilweise abgelehnt. Ein Turner stemmte sich leidenschaftlich dagegen. Der jüdische Advokat Dr. Eller meinte 1846, weil die vier „F“ ein Kreuz bilden, manche Turner aber keine Christen seien, müsse der Entwurf unbedingt verworfen werden. (BTZ 1922, 191) Das Wort „Fromm“ wurde je nach Zeitabschnitt und Einstellung des Autors verschieden interpretiert. Der Bogen spannt sich von „voran“, als „Inbegriff aller sittlichen Tatkraft, aller Willensbestimmung“, bis zum fromm im religiösen Sinn.

Die Verbandsgeschichte der CDTÖ, herausgegeben von der SPORTUNION Österreich, erschien in Buchform unter dem Titel „FRISCH FROMM FRÖHLICH FREI“ im Jahre 2016.

Autor Ingolf Wöll, Residenz Verlag.

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   Sammlung Abfalter

Die „Turnverbindung Habsburg“ (1897) im 10. Wiener Gemeindebezirk gehörte gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu den wenigen Turn-Gruppierungen, die sich dem Christentum gegenüber aufgeschlossen zeigten.

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert waren die meisten Turnvereine in Österreich, in die sogenannte "Los von Rom"-Bewegung eingebunden, und fast alle Turnvereine waren gegen das katholische Christentum negativ eingestellt. In Folge mussten Katholiken, wenn sie auch mit 91,6 Prozent in Österreich (1900) die Mehrheit bildeten, im bestehenden Turnvereinswesen mit Konflikten rechnen.

"Deutschtum, Katholizismus und Leibesübungen"

Der gebürtige Egerländer, Dr. Anton Frey (1871-1916), bemühte sich, gemeinsam mit Gesinnungsgenossen, „Deutschtum, Katholizismus und Leibesübungen“ zu vereinen. Als erster „offizieller“ Turnverein der christlichen Turnbewegung, gilt der am 22. Mai 1900 gegründete „Christlich-deutsche Turnerbund“ in Wien. (VTZ 1936, F. 10, 2)

Es dauerte, bis eine Vereinslandschaft aufgebaut werden konnte. 1902 schlossen sich vorerst Vereine in Niederösterreich, auf Wiener Boden, zusammen. 1904 wurde der erste Turnverein außerhalb Wien, auf das heutige Staatsgebiet bezogen, in St. Pölten, gegründet.

Christlich-deutscher Turnverein St. Pölten

1907 schlossen sich Vereine in Mähren und Böhmen zusammen und bildeten 1910 eine Arbeitsgemeinschaft mit bestehenden Vereinen in Österreich. Erste Impulse, die zu einem Reichsverband führen sollten, wurden beim Eucharistischen Kongress 1912, in Wien angebahnt.

Mitgliedererhebung im Jahre 1910

 

Mitglieder

Vereine

Sammlung Abfalter

Böhmen  

2.473

28

Mähren, Schlesien

891

17

Niederösterreich, Wien

1.091

13

Oberösterreich

288

4

Salzburg

35

1

Steiermark

150

2

Tirol

663

5

 

5.591

70

 

Mit der Herausgabe einer eigenen Zeitung, im Jahre 1909, konnte das Zusammenwachsen der Vereine wesentlich beschleunigt werden. (Wöll I. 2016, 23)

 

Ab dem 1. Oktober 1922 erschien die Verbandsturnzeitung mit jährlich 12 Ausgaben. Die letzte Zeitung wurde am 1. März 1938 herausgegeben.

Eigene Zeitschriften wurden für die Jugendarbeit, das „Dietwesen“ und die Fachschaft herausgegeben.

Die Gründung einesReichsverband der Christlich-deutschen Turnerschaft Österreichswurde zu Pfingsten 1914, anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des christlichen Turnvereins in St. Pölten vollzogen.

Wesentliche Impulse zur Gründung der christlichen Turnbewegung gehen auf die Turnabteilungen der Katholischen Gesellenvereine zurück. Erste Aufzeichnungen darüber sind 1876 (Wien), 1884 (Innsbruck) und 1886 (Linz) zu finden. In 39 Kolpings-Turnabteilungen und -Turnerbünden wurde in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie geturnt. Diese schlossen sich 1925 der CDTÖ an. Ganz anders in Vorarlberg: Der katholisch gesinnte Rheingau gehörte bis 1933 der Deutschen Turnerschaft an. Erst nach der Machtergreifung Hitlers suchte er die Nähe zur CDTÖ.

Die CDTÖ überstand den Ersten Weltkrieg mit 22 Vereinen. Beim Verbandsturntag am 12. November 1921, wieder in St. Pölten, wurde die Gründung des „Reichsverbandes der Christlich-deutschen Turnerschaft für das Gebiet Deutschösterreich beschlossen und wie schon 1914 festgehalten, dass nur der Mitglied in Christlich-deutschen Turnvereinen werden kann, der sich zum deutschen Volkstum und zur christlichen Weltanschauung offen bekennt (§ 3). Deutsche Volkszugehörigkeit legte der Verbandstag dahin aus, dass er darunter auch die deutsch-arische Abstammung verstanden wissen wollte. - Dieser Paragraf wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gerne verdrängt und ist in einschlägigen Werken (1982, 1995) nicht zu finden.

Hinweis in der Verbands-Turnzeitung

EinBlick: Christianisierung der Turnvereine

„Das Verdienst der CDTÖ ist das Hineintragen des Gedankens der Leibesübungen in den katholischen Volksteil der österreichischen Bevölkerung. Dies unter besonderer Beachtung der Frau und der Jugend.“ Weiters sollte durch die CDTÖ getrachtet werden, das Manko der fehlenden christlichen Präsenz in der Turn- und Sportbewegung zu beeinflussen. - Über die Hälfte der „Vereinsdietwarte“, die sich um die geistige Bildung der Turner zu bemühen hatten, stammten aus den Reihen der katholischen Priesterschaft.


So wie bei allen Turnverbänden, zählten Verbandsturnfeste zu den herausragenden Ereignissen im Verbandsgeschehen. Zum ersten Fest kam es 1923 in Wien. 1925 folgte Graz mit 1.700 Teilnehmern aus 86 Vereinen.

Bannerabteilung des TV-Graz mit Reichsbanner

 

Zum absoluten Höhepunkt wurde die Weihe des Reichsbanners. Der Obmann des Verbandes Dr. Josef Pultar übernahm das Banner mit den Worten: „Gott segne unsere Arbeit, die wir zum Wohle unseres deutschen Vaterlandes leisten wollen!“

Die CDTÖ war 1927 auf 168 Vereine mit 23.600 turnenden Angehörigen angewachsen. Zusammen mit den 7.127 passiven Mitgliedern zählte sie jetzt 30.730 Angehörige.

Die Verbandsfeste in Salzburg (1930) und Linz (1935) wurden zu mächtigen Kundgebungen der christlich-deutschen Turnbewegung.

Die Ideale des Verbandes sollten den Mitgliedern durch „Die Schmiede“ (1930) und durch das Buch „Hammer und Amboß“ (1937) näher gebracht werden.

Attentat auf christlich-deutsche Turner

Am 19. Juni 1933 wurde eine Abteilung christlich-deutscher „Wehrturner“ in der Nähe von Krems/Donau von drei Nationalsozialisten mit Handgranaten beworfen. Der Turner Franz Blamoser (32) aus Ybbsitz wurde dabei so schwer verletzt, dass er im Krankenhaus verstarb. Von 30 verletzten Turnern mussten 17 im Spital behandelt werden.

In Folge wurde die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), die für diesen und weitere Anschläge verantwortlich zeichnete, verboten. Ebenso wurde eine erhebliche Anzahl von Vereinen des Deutschen Turnerbundes verdächtigt, für die die NSDAP zu agieren, und deshalb aufgelöst.

 

Ehrengrab des von den Nazionalsozialisten ermordeten Turners Franz Plamoser in Ybbsitz..

1938 zerstört.

In bescheidener Form nach 1945 wieder errichtet.

Im sogenannten Ständestaat, nach der Auflösung der Arbeitersportbewegung im Jahre 1934 und den Einschränkungen der Vereinsarbeit im Deutschen Turnerbund (1919) nach dem „Braunen Putschversuch“, sah sich die CDTÖ als die „Turnbewegung des Vaterlandes“.

Am 12. März 1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein. Umgehend wurden alle katholischen Sport- und Turnvereine aufgelöst.

Für Gott und Volk, fürs Vaterland

Für das was treu und gut,

Der Turner übt die starke Hand

Und stählet seinen Mut.

Wer meint, dass nur ein frohes Spiel

Das ganze Turnen sei,

Der irrt und weiß von uns nicht viel.

„Gut Heil! Der Turnerei!“

 Robylinski (VTZ 1923, F. 9. 15)

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