St. Pöltner Hütte (2481 m)

28.08.2008

Hoch droben am Felbertauern

St. Pöltner Hütte (2481 m)
St. Pöltner Hütte am Felbertauern

Helmut spricht von einem einmaligen Erlebnis: Die Fotogalerie

Alpin-Geschichte (Sport in St. Pölten / 2007): Alpenverein (1895)  Am 1. März 1895 saßen sieben Männer im Jägerstüberl vom Hotel Hügel beisammen und gründeten eine „Sektion des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins“. Der Eisenhändler Alfred Schmid, Tierarzt Dr. Hans Schmied, Hauptmann Zdenko Ritter von Strom, Oberstleutnant Rudolf Speil von Ostheim, der Kaufmann Karl Wöß jun. und der Notar Viktor Smazenka, er war seit 1892 Turnwart-Stellvertreter im Turnverein St. Pölten 1863, wählten Professor Mag. Karl Grimus von Grimburg zum ersten Sektionsvorsitzenden. Erst nach 11 Jahren wurde er von Professor Hans Donabaum abgelöst. Die Erbauung des  St. Pöltner Ost- und Westweges sowie die Festlegung des Hüttenstandortes der St. Pöltner-Hütte auf dem Felbertauern gehen auf seine Initiative zurück. Die Schutzhütte ist noch heute Stützpunkt für die beliebten alpinen Höhenwege, die am Alpenkamm weiter zum heutigen Berghotel Rudolfshütte und zur Neuen Prager Hütte führen. Die Errichtung des St. Pöltner Ostweges war alpingeschichtlich gesehen eine Großtat. Der Weg ist immer noch der längste (25 km auf dem Alpenhauptkamm) hüttenverbindende Weg in den Ostalpen. Die „Donabaumscharte“ hoch im Landecktal erinnert noch heute an die Leistung des St. Pöltner Berg-Pioniers, der bis 1920 den  AV St. Pölten als Obmann führte.

Viele Schwierigkeiten taten sich bei der Errichtung der Schutzhütte auf dem Felbertauern auf. Als es 1913 beim Bauträger zu finanziellen Engpässen kam, musste die Sektion mit den  Gläubigern verhandeln und das gesamte Baumaterial erneut erwerben. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges konnte an einen Weiterbau nicht mehr gedacht werden. Erst 1920 war es möglich geworden, die Bauarbeiten der St. Pöltner-Hütte (2.481 m) auf dem Felbertauern fortzusetzen. Die tragisch anmutende 16-jährige Baugeschichte der höchstgelegenen Hütte einer St. Pöltner Bergsteigervereinigung endete erst am 3. August 1922. Laut Professor Dr. Friedrich Striberny waren  Prälat Franz Huber (Obmann 1920-1922) und vor allem Franz Schmid, Baumeister Ferdinand Weinmann und Hermann Kienzl (Obmann 1922-1935) jene Leute, die dafür sorgten, dass der Bau finanziert und verwirklicht werden konnte. - 1919-1920 erfolgte die Gründung der Jungmannschaft. Es war historisch gesehen  jene Zeit, in der sich die Jugend erstmals als eigene Gruppe in der Gesellschaft dargestellt hatte. Auch die Pfadfinderbewegung und die Gründung religiöser und politischer Jugendgruppen gehen auf diese Zeit zurück. Die Jugend beteiligte sich rege an der Vereinsarbeit und war auch  beim Bau des Westweges äußerst aktiv, wobei die Begeisterung des späteren Jugendwartes Mag. Robert Rameis (1926-1938) viele mitriss. Der Westweg konnte 1925 fertiggestellt werden und verbindet seitdem die Venedigergruppe mit der Glocknergruppe.

Am 22. August 1934 erschütterte die Sektion ein Raubmord auf der St. Pöltner-Hütte, dem der Jugendführer Prof. Karl Clemens Fürst, der Hüttenpächter und ein Bergführer zum Opfer fielen. 1936-1937 wurde in der Mitte des Ostweges eine offene Unterstandshütte erbaut und zur bleibenden Erinnerung an diese Tat  „Professor Karl Fürst-Hütte“ (2.629 m) benannt. Das Haus bietet Wanderern Rast und Zufluchtstätte bei hereinbrechendem Unwetter. 

 

Seitenblick

Drei Generationen

Eine in Österreich und für den AV St. Pölten einmalige Tradition: Als der Eisenhändler Alfred Schmid, ein Gründungsmitglied, 1907 sein Amt als “Säckelwart“ (heute Kassier) zurücklegte, übernahm der Kaufmann Ferdinand Gebath seine Stelle. Ab diesem Jahr, also seit 100 Jahren, bekleiden Mitglieder der Familie Gebath, in ununterbrochener Folge, jetzt schon in der dritten Generation, wichtige Funktionen. Christian Gebath  ist seit vielen Jahren 3. Vorsitzender der Sektion und übernahm 2007 das Amt des 1. Vorsitzenden. Das Sportgeschäft in der Kremser-Gasse ist seit Jahrzehnten Anlaufstelle für die Mitglieder des Alpenvereins.

 

Drei Persönlichkeiten waren es, die die Ära nach dem Zweiten Weltkrieg, an vorderster Stelle in der Vereinsführung, besonders prägten: Ing. Roman Majewski (1945-1967),  Emil Zöchling (1967-1986) und Dr. Friedrich Striberny (1989-2007). Ihnen ist es in erster Linie zu verdanken, dass der „AV-St. Pölten“ nach mehr als 100 Jahren mit über 2.000 Mitgliedern eine beachtliche Größe erreicht hat und ein äußerst aktives Vereinsleben aufzeigen kann. - Die Jugend- und Jungmannschaft ist mit dem Namen Karl Schenk, der schon vor dem Zweiten Weltkrieg Jugendwart (1939) war, untrennbar verbunden. Er baute in den 50er- und 60er-Jahren eine leistungsstarke und in dieser Dichte nie wieder erreichte aktive Jungmannschaft auf, an deren Spitze in bergsteigerischen Belangen Kurt Ring und seine spätere Frau Ingrid, geb. Hieger, standen. Kurt und Ingrid Ring  zählten damals auch zu den bekanntesten Leistungsbergsteigern in Österreich. Ingrid Ring trat als eine der ersten extrembergsteigenden Frauen weit über ihre Heimatstadt hinaus in Erscheinung. Sie vollbrachte Damen-Erstbegehungen am laufenden Band: Große Bischofsmütze, direkte Ostwand und Nordwand - Montblanc, Brenvaflanke - Grand Capucin, Ostwand - Westliche Zinne, Nordwand - Grandes Jorasses, Walkerpfeiler  und viele andere. Festschrift ÖAK, 1978.

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