70 Jahre Österreichischer Fachverband für Turnen

02.08.2017

eine Sendung des ORF

70 Jahre Österreichischer Fachverband für Turnen
Willi Welt Staatsmeister 1951

Am 26. Juli 1947 wurde der „Österreichische Fachverband für Turnen“ in Graz von den beiden Dachverbänden ASKÖ (damals: ATUS, „Arbeiter-Turn- und Sportbund) und Sportunion (damals: „Österreichische Turn- und Sportunion“) gegründet, auch die (damals „unabhängige“) Vorarlberger Turnerschaft war seit Beginn an Bord. Tags darauf fand die erste Staatsmeisterschaft statt. Offizielle österreichische Meister im Turnen hatte es davor kurioser bzw. historisch bedingter Weise noch nie gegeben, obwohl das Turnen an sich schon jahrzehntelang eine der am weitesten verbreiteten „Sportarten“ (Bewegungsformen) gewesen war. (Gesamtbericht)

Auszug aus  "Wir bewegen Menschen", I. W.) In Übereinstimmung mit der SPÖ, hatte der ASKÖ im März 1946, bei einer später als „historisch“ bezeichneten Länderkonferenz in Bruck an der Mur, beschlossen, mit der UNION, in Fachverbänden zusammenzuarbeiten. Der Arbeitersport, der bis 1934 Wettkämpfe mit Sportlern aus bürgerlichen Vereinen ablehnte, trat somit aus seiner Isolation heraus und folglich gab es auch, über ideologische Grenzen hinweg, gesamtösterreichische Leistungsvergleiche. (Holzweber, 43)

Am 26. Juli 1947 kam es in Graz zur Gründung des Österreichischen Fachverbandes für Turnen (ÖFT). Zum ersten Präsidenten wurde Ludwig Treybal (ATUS) gewählt und Anton Marousek (UNION) fungierte als sein Stellvertreter. Dir. Franz Fedra (UNION) übernahm die Funktion des Verbandsturnwartes.

Schon am nächsten Tag wurde die erste Österreichische Staatsmeisterschaft im Kunstturnen ausgetragen. Das UNION-Team konnte dabei recht gut gefallen. Bei den Turnern siegte im Zehnkampf, unter 20 Teilnehmern, Gottfried Hermann (U-Linz), gefolgt von Willi Schreyer (U-Salzburg), Ernst Wister (U-Graz), Willi Welt (U-Wien), Karl Bohusch (ATUS-Wien), Leo Redl und Robert Pranz (beide U-Wien). Aus den Ergebnissen ist zu entnehmen, dass die Spitze der Kunstturnszene in den Ballungsräumen zu Hause war und die  Meisterschaft von über Jahre bekannten Turnern dominiert wurde. Die UNION-Turner Hermann, Redl und Pranz beteiligten sich bereits 1936 an den „Olympischen Spielen“ in Berlin. Ernst Wister sowie Karl Bohusch scheinen in der Ergebnisliste der „Deutschen Kriegsmeisterschaft 1944“ in Krems auf. - Bei den Turnerinnen war Hilde Felsmann (U-Wien) im 7-Kampf vor zwei ATUS-Turnerinnen aus Innsbruck bzw. Traiskirchen erfolgreich. Im Gegensatz zu heute mussten die Turnerinnen, genauso wie die Männer, auf dem gleichholmigen Barren und am Reck ihre Übungen zeigen. Geturnt wurde am Barren (Pflicht und Kür), am Reck und auf der „Schwebekante“. Weiters waren zwei Sprünge über das Pferd und Freiübungen, mit und ohne Handgerät, für die Turnerinnen vorgeschrieben. 17 Turnerinnen und 12 Jungturnerinnen beteiligten sich an der Meisterschaft. Die Vorarlberger Turner, die später die Kunstturnszene über Jahre dominierten, spielten 1947, mit drei Teilnehmern, noch eine bescheidene Rolle. Hans Fuchs hielt fest, dass die UNION mit 14 ersten, 10 zweiten und 13 dritten Medaillenrängen mehr als erfolgreich war. (U-Post 1947, F. 18/19, 1) Im Verhältnis zu 1947 war die Staatsmeisterschaft 1948 mit neun Turnern und 13 Turnerinnen schwach besucht. Der Grazer UNION-Turner Ernst Wister gewann bei den Turnern, während der Titel bei den Turnerinnen an die ASKÖ-Turnerin Gretchen Hehenberger aus Linz ging. Die vier Folgeplätze nahmen UNION-Turnerinnen ein. Bei den „Olympischen Spielen 1948“ in London bestand das Österreichische Team großteils aus UNION-Angehörigen. Die Turnerinnen erreichten den sechsten Rang und die Turner landeten unter 15 Mannschaften auf Platz neun. Eine offizielle Einzelwertung gab es nicht. Ernst Wister und Gerti Fesl (beide UNION) brachten das beste Ergebnis für ihre Mannschaft.

Es soll nicht vergessen werden, dass bei sogenannten „Gemischten Turnwettkämpfen“ bis Anfang der 1950er-Jahre, national und international, auch Leichtathletik-Bewerbe zu bestreiten waren. So mussten die Mehrkämpfer bei der Weltmeisterschaft 1950 in Basel einen 100 m-Lauf sowie einen Hoch- und Stabhochsprung absolvieren. (U-Post 1950, F.8/9) Bei den Staatsmeisterschaften in Österreich wurden zum letzten Mal 1951 gemischte Mehrkämpfe ausgetragen (100 m, Hochsprung, Kugelstoß).

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2006

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"TURNEN in Österreich - Von den Anfängen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts" - ein Buch von Ingolf Wöll 

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Nicht eingegangen wurde im Bericht auf die vielschichtige Breitenarbeit im Turngeschehen (TURN 10), die durch den St. Pöltner Sportlehrer Werner Kulhanek stark beeinflusst wurde. Schade!